Andros Batsi  -  Evia Karystos,  22,1 nm Fr. 13.05.2022
Es geht wieder quer durch die Düse zwischen Andros und Evia.
Wind und Seegang meinen es heute gut mit uns. Wir können segeln bei anfangs 18 kn Wind.

Später kurz vor unserem Ziel schläft der Wind ein und wir müssen noch eine Stunde motoren.
Im Hafen von Karystos im Süden von Evia legen wir mit Heckanker an direkt neben der SY "Cina" von Hans und Manuela, die uns schon erwartet haben.
Freudiges Wiedersehen und Anleger-Ouzo auf der Cina.
Wir kennen uns nun schon einige Jahre und per WhatsApp stehen wir in dauerndem Kontakt.
Der Hafenmeister kommt am Steg vorbei und ich zahle für 3 Tage 9,50 €.

In Karystos habe ich mir an irgendwas den Magen verdorben - oder war es doch zu viel Wein am Abend?
Nach einem Tag mit Haferschleim und Zwieback geht es wieder besser.




Das Zwei-Raum Museum in Karystos hat eine "überschaubare" Ausstellungsfläche und kann vom Informationsgehalt nicht mit dem großen archäologischen Museum von Andros mithalten.
Bourgi, der venezianische Turm aus dem 13. Jahrhundert, gegenüber vom Museum direkt am Meer.

Im Süden von Euböa kündigt sich für die nächsten Tage eine Schlechtwetterfront mit BFT 8 an. Weiter im Norden soll es nur mit 6-7 BFT wehen. Wir beschließen, auf die geplante Wanderung zum Castello Rossa, das in 300 m über der Stadt thront, zu verzichten und lieber bald Richtung Norden aufzubrechen.
   
Charystos - Petalische Inseln Cheronisos,  12,6 nm Mo. 16.05.2022
Wir verabschieden uns von Hans und Manuela und legen ab.

Überraschung: Im Heckanker hat sich ein Oktopus verfangen! Er ist ziemlich munter und bewegt sich flink an Bord. - bis wir ihn in einem Eimer mit Teller als Deckel bändigen. Maria freut sich schon auf die Zubereitung unseres nächsten Festessens.
Ade Karystos.
Wegen der Wettervorhersagen war das ein etwas überstürzter Abschied von Hans und Manuela, die noch länger im Hafen bleiben.
Nach 3 Stunden Fahrt gehen wir vor Anker in der geschützten nordwestlichen Bucht von Chersonisi, ein Eiland, das zu den 10 petalischen Inseln gehört.

Auch andere Segler haben diese traumhafte Bucht für sich entdeckt.
Wir haben unser Beiboot noch nicht aufgeblasen und genießen die Bucht, das klare Wasser und die Landschaft ringsum vom Boot aus.

Das Wasser in der Bucht ist kristallklar. Maria schwimmt uns Boot. - Mir ist es noch zu kühl.
Cheronisi  - Kavalliani, 20,1 nm Di. 17.05.2022
Morgenstimmung in der geschützten Bucht.

Die petalischen Inseln dienten früher als Sommer Harem für die Frauen des letzten osmanischen Paschas. Später gehörten sie der russischen Zarenfamilie.
Nach 1867 kamen die Inseln durch Heirat zur griechischen Königsfamilie.  Sie erbauten auf Cersonisi eine Sommerresidenz.
1915 oder 1916 verkaufte der Prinz Georg II. die Insel an den griechischen Reeder Maris Empeirikos.

Die Tochter und der Sohn von Pablo Picasso verliebten sich in die "griechischen Malediven", kauften ein Stück Insel und errichtete ein luxuriöses Herrenhaus - wohl auf dem Gelände der ehemaligen königlichen Sommerresidenz.
Auf einer französischen Internetseite fand ich einen Hinweis, dass man das Herrenhaus (oder die ganze Insel?) auch mieten kann, all inclusive für nur 42200 - 53400 € pro Woche.
Wir sind neugierig und umrunden einen Teil der Inseln, die heute privat sind und von reichen Reedern für Ferienaufenthalte genutzt werden.
Auf der keinen Insel Tragonisi gibt es einen kleinen privaten Hafen und einen Hubschrauberlandeplatz.
Wir machen einen Abstecher nach Nea Stira. Der Steg neben der Fähre ist von Fischerbooten belegt.
So motorsegeln wir weiter zur kleinen Insel Kavalliani.
Am Südende der Insel entdecken wir mehrere Gebäude - militärisch genutzt?
Während der Umrundung der Südspitze sehen wir, dass die Häuser unvollendet sind.
Wir steuern den kleinen Hafen der Insel an.
Die Einfahrt ist am steinigen Ufer erst aus der Nähe zu entdecken.
Längsseits fest in dem kleinen verlassenen Hafenbecken.
Maria schwimmt, und ich traue mich jetzt auch rein. Wassertemperatur ca. 20 °C.
Die Hafeneinfahrt ist nicht mehr beleuchtet. Man muss von See kommend in einem scharfen 90 Grad Winkel in das Hafenbecken einlaufen. Das könnte für größere Segelboot ohne Bugstrahlruder problematisch werden.
Die Insel gibt uns Rätsel auf. Vom Hafen aus führt ein geteerter Weg nach oben zur Hauptstraße.
Es gibt viele Straßen auf der Insel, die 8 m breit geteert sind und eine Stromleitung vom einen Ende der Insel zum anderen.
Trafostation
An der Uferstraße finden wir keine Häuser, aber die Reste eines Traumes vom eigenen Haus auf der Insel.
Am Straßenrand: Grenzmarkierungen und Wasseruhren in regelmäßigen Abständen.
Wir wandern zurück zur Walkabout und suchen im Internet nach Hinweisen zu dieser seltsamen Insel...

... und wir werden fündig: Kavalliani

Die Emporiki Bank, zwischenzeitlich von der Apha Bank übernommen, gründete ein Baugenossenschaft, um die Insel zu erschließen und Einzelgrundstücke davon zu vermarkten.
Die Insel ist Naturschutzgebiet und für die Bebauung gibt es strenge Regeln.

Auf einer Website werden die Grundstücke immer noch beworben.
Der "Inselverein" existiert wohl noch und verwaltet die  etwa720 in Privatbesitz befindlichen Grundstücke von jeweils ca 1000 m². Die Besitzer eines Grundstückes sind gleichzeitig Mitbesitzer des Hafens, der Wasserversorgung, Elektrizität, Straßen etc. Im Internet werden noch vereinzelt Grundstücke (aus Altersgründen) angeboten für 12000 € je Grundstück, oder auch für 30 €/m². Eine ältere Frau möchte auch ihr stark renovierungsbedürftiges Haus für 60000 € verkaufen bei damaligen Baukosten von 800000 DM. Alles für den Hausbau muss ja per Fähre zu der Insel gebracht werden.

Das Projekt ist wohl insgesamt zum Erliegen gekommen. Auf Google Earth entdecken wir 7 oder 8 teilweise unfertige Häuser.
Schade um die Verschandelung der Insel mit dem dichten Straßennetz.
Kavalliani  -  Eretria,  17,9 nm Mi. 18.05.2022
In dem einsamen Hafen träumte Maria nachts von Seeräubern. So soll unser nächster Ankerplatz wieder in zivilisierterer Gegend liegen.
Wir begegnen einem Treibnetzfischer, der das an der Oberfläche schwimmende Netz am Heck ins Wasser lässt, einen weiten Kreis befährt und dann das Netz an Bug und Heck gleichzeitig wieder einholt. Mit etwas Glück hat er einen Fischschwarm umkreist und in sein Netz getrieben.
In der weiten Bucht von Eretria gehen wir in der Nähe der Brücke zum "Dreams Island" vor Anker, und ich blase das Dinghi auf.
Wir rudern an Land und sind neugierig auf das Dreams Island oder Pezonisi
Die Eingangstore zum Gelände stehen offen. Schon im Bereich der ehemaligen Anmeldung sind Türen und Fenster zerstört.
Einzel stehende Bungalows sind mit Graffiti verziert.
Die Ferienanlage existiert wohl seit den 1960ern und war bis 2008 in Betrieb. Es gab 52 Hotelzimmer und 46 Bungalows, Nachtclub, Tennisplatz und eigener Strand.
Behördliche Machtkämpfe um die Zuständigkeit, und bürokratische Schikanen zwangen den Pächter 2008 zur Aufgabe.
Seitdem entwickelte sich Dreams Island zu einem Zentrum für Vandalismus, Lost Place Fans und Graffitikünstler.

Freiwillige und die Gemeinde "pflegen" die Anlage, entfernen Fensterscheibenreste und verhindern die totale Vermüllung.

Lambros Angelopoulos, ein Amerikaner mit griechischen Wurzeln - er stammt aus Eretria -, versuchte 2010 mit großen Ambitionen als Investor die Dreams Island wieder mit Leben zu erfüllen mit einem Hotel und einem Themenpark zur griechischen Geschichte.
- Aber auch er scheiterte an den behördlichen Schikanen, dem griechischen Amtsschimmel und dem Zuständigkeitswirrwarr.
Minigolfanlage
"Höhlenkapelle"

Die Zukunft von Dreams Island bleibt weiter im Ungewissen.

Fischerhafen am Rande von Dreams Island.
Ja, und die Quallenplage vom letzten Jahr scheint sich in diesem Jahr zu wiederholen.

Jedes mal bevor wir  zum Schwimmen ins Wasser gehen, schauen wir, was da so alles um uns rum keucht und fleucht.
Die Stadt Eretria war im Altertum eine bedeutende griechische Polis und entsprechend häufig findet man heute Überreste in der Stadt.

Die Ausgrabungen der alten Stadt begannen um 1890 und werden seit 1964 vom griechischen archäologischen Institut durchgeführt, gemeinsam mit der "Swiss School of Archaeology in Greece".

Bild von den ehemaligen Bädern in Hafennähe
Das Theater
Es gab früher Sitzplätze für 6300 Zuschauer.
Zur Zeit wird ein Teil der Tribüne rekonstruiert.
Es finden wohl immer noch Theatervorführungen hier statt.
Das Alte Gymnasium stammt aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.

Es diente vor allem der Körperertüchtigung der jungen Männer.
Wir wandern hoch zur Akropolis.
Der Weg hoch zur Akropolis geht entlang der zweischaligen polygonalen ehemaligen Stadtmauer.
Blick zurück auf Eretria und Dreams Island
On Top of the hill
Der Nordturm der Akropolis
Blick von unten auf den Burgberg.
Im Vordergrund die Ausgrabungen am Westrand der ehemaligen Polis.
Das Archäologische Museum von Eretria ist auch einen Besuch wert.
 
Besonders fasziniert sind wir von dem Modell der Errichtung eines Tempels.
Man kann im Deteil sehen, mit welchen Hilfsmitteln in der damaligen Zeit gearbeitet wurde.
Mit Kran und Flaschenzügen wurden die tonnenschweren Säulenteile passgenau aufeinander gesetzt
Steinmetze bearbeiteten die rohen Säulen bis zu ihrer endgültigen Form und der Maler auf dem Holzgerüst begann, den Fries bunt anzumalen.
Wir sind dann wieder froh, zurück auf dem Boot zu sein. Mit dem Dinghi und ohne Motor ist es manchmal ein Abenteuer gegen Wind und Wellen zur Walkabout zu paddeln.

Unsere Deutschlandfahne hat es infolge des Windes der letzten Tage und Wochen ziemlich zerfetzt.
Eretria - Chalkida Süd,  13,5 nm Sa. 21.05 2022
Samstags ist Wochenmarkt in Eretria.-Und den lassen wir uns natürlich nicht entgehen.
Unsere Ausbeute für 45 €:
Obst, Gemüse, regionalen Käse, Rosinen, Trockenpflaumen und Feigen, 2 Zöpfe Knoblauch
und Fisch
Der Fisch wird direkt von Maria fachfraulich ausgenommen, filetiert und gebraten.
Wir kochen Konfitüre und setzen die nächsten Gläser Sauerkraut an.
Kurz nach 15 Uhr gehen wir ankerauf. Vorbei geht es an dem Leuchtturm auf den Resten der antiken Mole von Eretria.
Vorbei geht es an der die Landschaft prägenden Zementfabrik und der neuen Hochbrücke, die Evia mit dem Festland verbindet.
Wir ankern auf der Festlandseite von Chalkida landnah südlich der alten Brücke in der Nähe des Bahnhofs mit Blick auf die Festung Karababa.
Am Sonntag Vormittag wandern wir hoch zur Festung, die 1684 von den Osmanen zum Schutz vor den Veneziern erbaut wurde.
  Blick von oben auf die weite Ankerbucht, in der die Boote auf die nächtliche Durchfahrt durch die alte Brücke warten.
Das Museum auf dem Kastell ist sehr sehenswert. Es werden Relikte aus dem Mittelalter gezeigt. Eintritt frei, wir müssen aber Masken tragen.
  Unter der Herrschaft der Venezier hieß die Stadt Negroponte.
  Später unter der Herrschaft der Ottomanen (von 1470 bis 1833) nannte man die Stadt Egriboz.
  Nach so viel Kultur am Vormittag relaxen wir am Sonntag Nachmittag am bewirtschafteten Stadtstrand auf der Festlandseite.
Chalkida Süd - Chalkida Nord, 0,6 nm Mo. 23.05.2022
  Morgens melden wir uns zur Durchfahrt an und bezahlen 35 € für die Durchfahrt und 6,29 € für 2 Nächte am Nordkai.

Dann wandern wir durch die Stadt zum neuen Museum "Arethousa", das vor -auf den Tag genau- einem Jahr eröffnet wurde.

Das Museum ist in einem ehemaligen Industriegebäude, das in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts errichtet wurde, untergebracht.
Früher wurde hier Schnaps destilliert. Es wurden verschiedene Liköre hergestellt und unter dem Namen "Arethousa" vermarktet. Nachdem die Produktion eingestellt worden war, begannen die Gebäude zu verfallen. Der gesamte Komplex wurde dann unter Denkmalschutz gestellt und mit EU-Förderung wieder aufgebaut.
  Das top modern ausgestatte  Museumist gegliedert in verschiedene Bereiche mit den entsprechenden Austellungsstücken.

  Es gibt einen Überblick über die verschiedenen politischen Staatsformen im Laufe der Jahrtausende von der Bronzezeit über die hellenistische Periode bis zur Herrschaft der Venezier und der Ottomanen.
  In der Eben unter dem Dach finden wir Infos über die Geschichte der Destillerie
  Ein weiterer Schwerpunkt im Museum ist die Geschichte der Entwicklung der Religionen von der prähistorischen Zeit über die griechischen Gottheiten bis zur Entstehung des Christentums.

Ein anderer Bereich des Museums behandelt die Entwicklung des Handels und der Bildung von Kolonien in Sizilien und im unteren Teil Italiens.
Als Folge des Handels haben sich auch die griechische und die römische Schrift weiter entwickelt.
  Gegenüber vom Museumsladen finden wir Schautafeln über die Geschichte der alten Brücke von Chalkis.
Eine erste Brücke gab es bereits 411 v. Chr.


2014 bin ich schon mal durch die Brücke gefahren und habe ein Filmchen von der Strömung unter der Brücke gedreht

  Zur Zeit der Venetier und der Ottomanen gab es noch zwei Brücken, von denen eine beweglich war.
Später gab es nur noch eine Brücke, zunächst als Schwingbrücke und dann seit 1992 als "Sliding Bridge". Die Brücke wird jetzt bei der Öffnung abgesenkt und dann nach beiden Seiten unter die Straße geschoben. 
Chalkida Süd - Chalkida Nord,  0,58 nm  Mo. 23.05.2022 
  Und so sieht es dann real aus:
Die Straßengeländer werden teilweise umgeklappt, die gesamte Brücke etwas abgesenkt...
  ... und dann auf beiden Seiten unter die Fahrbahn geschoben. ( Diese Aufnahme habe ich zwei Tage nach unserer Durchfahrt gemacht).

Wir bereiten das Boot auf die nächtliche Durchfahrt vor. Wir testen die Navigationsbeleuchtung und sind ab 21 Uhr über Funk in Hörbereitschaft.
Ab kurz nach 22 Uhr werden die Boote einzeln per Funk aufgerufen, sich bereit zu machen. Eine viertel Stunde später fahren die ersten durch die Engstelle. Jedes Boot reiht sich dann irgendwie in die "Schlange" ein. Wir passieren die Engstelle als 8. von 11 Booten und legen eine halbe Stunde später an der Nordmole an.
  Es gibt Strom und Wasser. Bei dem sehr gut ausgerüsteten Yachtzubehörhändler auf der Evia-Seite südlich von der Brücke habe ich einen neuen Diesel Vorfilter mit Wasserabscheider bekommen und tausche ihn gegen meinen alten undichten aus.

Dann tue ich meinem Motörchen noch was Gutes: Die Kanäle des 10 PS Bukh Motors mit der Einkreiskühlung spüle ich mit 10 prozentiger Zitronensäure.

Ansonsten vertreiben wir uns die Zeit mit Stadtbummel, Schwimmen (tagsüber sind es schon 34 °C!) und Arbeit an der Homepage.
   
Chalkida Nord - Nea Artaki, 3,6 nm  Fr. 27.05.2022 
  Um 10 Uhr legen wir ab und motoren die kurze Strecke nach Nea Artaki, wo wir im Lee des Hafens ankern und an Land rudern.
  Hafen für die kleinen Fischerboote mit schwimmendem Entenhaus
  In eine Ecke des größeren Hafenbeckens liegt ein sehr marodes Holzsegelboot. Es scheint bewohnt zu sein und könnte bestimmt viele Geschichten erzählen.
  Die ortsbildprägende Kirche aus dem "Betonzeitalter"

Es ist schon dunkel als wir zur Walkabout zurückrudern wollen. Leider haben wir nicht berücksichtigt, dass es hier Ebbe und Flut gibt...
... jetzt ist gerade Ebbe ... und so müssen wir unser Dinghi 50 m bis ins tiefere Wasser tragen und schieben.
Nea Artaki - Politika, 6,6 nm  Sa. 28.05.2022 
  Nach einer ruhigen Nacht vor Anker gehen wir kurz vor 9 Uhr ankerauf.

Vorbei geht es an der großen Sojafabrik Soya Hellas, einem der Marktführer in Griechenland.
  Hier können die Weltmeere befahrende Schiffe be- und entladen werden. In den vergangenen Jahren hat Greenpeace hier schon gegen die Verarbeitung von Gen-Soja protestiert.

Laut ihrer Homepage hat Soya Hellas jetzt auch eine Zulassung als Hersteller und Händler von Naturkost und Bioprodukten.
  Eine weitere große Firma direkt neben Soya Hellas ist die "Larco Mining Company". Sie gilt als Europas größter Nickel Produzent. Hier wird über ein 7,5 km langes Förderband  das im Landesinneren  von Evia gewonnene Erz zu einem Frachtschiff transportiert. Die weitere Verarbeitung findet dann auf der Festlandseite in Larymna statt.
Das Staatsunternehmen erwirtschaftet wohl  trotz Förderung durch durch den Staat schon seit Jahren Defizite und soll privatisiert werden. Über 1000 Arbeitsplätze drohen verloren zu gehen und 300 Werkswohnungen. Auch die EU fordert Gelder zurück.
  Gegen 10:30 Uhr ankern wir in Politika neben der Hafenmole.
Wir wandern zur Altstadt: Dorfplatz
Venezianischer Beobachtungsturm aus dem 13. Jahrhundert.
Wundertätige Ikonen in der Kirche Agia Paraskevi
Es fand gerade ein Gottesdienst statt und wir werden beschenkt mit Gebäck und einer Art trockenem Müsli.
Politika  -  Ormos Amyrou, 23,8 nm So. 29.05.2022
Nachts dreht der Wind auf südost und es wird sehr schwellig vor Anker. Deshalb - und wegen dem vorhergesagten Starkwind am Nachmittag - gehen wir schon im Dunkeln  um 4:50 Uhr ankerauf.
Unter Genua kommen wir bei achterlichem Wind  bis BFT 6 gut voran.
   
Schon gegen 10:20 Uhr sind wir  an unserem Tagesziel. Wir ankern in der sehr geschützten Bucht Ormos Amyrou landnah in der Nähe des Cafe`s auf 2,40 m.

Wie erwartet nimmt der Wind im Laufe des Tages zu. Er dreht von Nordost auf Südwest und weht bald mit Böen von über 30 kn . Der Luftdruck ist seit heute morgen um 10 hPa gefallen.

Und gegen 15:30 Uhr passiert es dann: Der Anker hält nicht und wir treiben langsam auf die kleine Insel im Lee zu. Dank meiner regelmäßigen Deckspeilung merke ich, dass da etwas nicht stimmt. Als wir den Motor starten haben wir noch etwa 30 cm Wasser unter dem Kiel....
.... ist alles noch mal gut gegangen.... Wir gehen ankerauf und verholen uns gegen den Wind tiefer in die Bucht.


Hier liegen wir dann sicher vor Anker. Der Wind legt noch zu und bläst böig von den Bergen runter.

Die meisten Regenschauer ziehen nördlich von uns vorbei.
Wir genießen den Wetterwechsel und die irren Farben des Meeres in der Bucht.
 
Ormos Amyrou  -  Limni Boatyard, 12,2 nm Mo. 30.05.2022
Und am nächsten Morgen erinnert nichts mehr an den Sturm des Vortages. Das Barometer ist wieder auf 1005 hPa gestiegen.

Ich telefoniere mit Charis von der Limni  (oder Livaditis) Boaryard:  Sie können uns schon heute am späten Vormittag an Land stellen.
Wir verpacken die Genua und gehen ankerauf.
Gegen 11:25 Uhr machen wir an der Boje vor der Boatyard fest. Der Trailer wird schon ins Wasser gelassen...
Charis in Tauchausrüstung bringt das Boot in die richtige Position auf dem Trailer. - Heute nicht so einfach, da eine starke Querströmung herrscht.
Auf dem Weg zum Land bemerken wir ein knackendes Geräusch im Boot und denken uns zunächst nichts dabei. Vielleicht ist der Trailer über einen Stein gehüpft....
Hochdruckreinigung an Land. In den 2 Monaten im Wasser hat sich kaum Bewuchs gebildet.
Kratzer vorne im Kiel - wohl von einer Berührung mit dem Trailer.
Das teure Spezial-Antifouling von Nautix hat an der Schiffsschraube nicht gehalten.
Wir gehen über die Leiter ins Boot und stellen fest, dass ein Holzbrett in der Kajüte angebrochen ist.
Das war wohl das knarrende Geräusch im Wasser auf dem Trailer!
Durch starken Druck von außen auf die Bordwand hat sich das Holz um einen cm verschoben.
Das Winkellaminat im Stauraum unter dem Salonsofa hat sich teilweise gelöst.

Ich bespreche den Schaden mit Charis und melde ihn vorsorglich bei meiner Kasko Versicherung (mit 250 € Selbstbeteiligung).
Charis beauftragt einen GFK-Spezialisten, der sich den Schaden am nächsten Tag anschaut. Der Rumpf selbst hat die Kollision mit dem Trailer unbeschadet überstanden. Das Winkellaminat muss an 2 Stellen verstärkt und überlaminiert werden. Das angebrochene Holz in der Kajüte soll mit Polyesterharz verstärkt werden.
An Donnerstag kommt Panajotis und repariert den Schaden. Er kommt gut ins Schwitzen bei den engen Raumverhältnissen im Boot.
  Tags darauf kommt er noch mal, überprüft, dass alles ok ist und überstreicht die Schadensstellen. 

Gesamtkosten der Reparatur: 60 €, wovon Charis die Hälfte übernimmt.

Der Kasko Versicherung teile ich mit, dass den Schaden ohne Versicherungsbeteiligung geregelt haben.
  Ansonsten bereiten wir wieder das Boot auf den Sommer an Land vor: Boot entsalzen, Fender und Leinen waschen, Ankerkasten säubern, Ankerkette abspritzen und unter dem Boot lagern. Vorräte und Kleider sortieren. Segel verpacken, Kühlkreislauf des Motors spülen und konservieren.
Ich steige mittels "Top Climber" in den Mast, kontrolliere das stehende und das laufende Gut und baue ein LED Toplicht an.
  Mit unserem Auto fahren wir in die Berge. Die ausgedehnten Waldbrände vom letzten Jahr werden wahrscheinlich noch Jahrzehnte lang ihre Spuren hinterlassen.
  Wir besuchen wieder das nach seinem Gründer benannte Kloster des heiligen David Gerontos, einem berühmten, über die Grenzen Griechenlands bekannten Wallfahrtsort mit "wundertätigem" Wasser aus einer heiligen Quelle im Inneren der Klostermauern.
  Zusammen mit uns besucht heute eine Pilgergruppe aus Rumänien das Kloster. Ein Mönch verteilt in geweihtem Olivenöl getränkte und in Alufolie verpackte Watteknäuel. Andere Gläubige lassen sich damit an den Händen und am Kopf "salben". Wir bewundern die tiefe Gläubigkeit der Pilger (überwiegend Frauen).
  Im Kloster leben heute noch 11 Mönche. Einer erzählt mir, dass sie während der Waldbrände im letzten Jahr rund um die Uhr gebetet hätten. Das Kloster blieb vor dem Feuer verschont. -  Die Feuerwehr war aber wohl auch aktiv rund um das Kloster.

In der Klosterkirche befinden sich viele Reliquien, die von den Pilgern wegen ihrer Wunderwirkung verehrt werden.
  Wir fahren weiter zum Wasserfall. An den Straßenrändern hat man begonnen, angebrannte Holzstämme zum Abtransport zwischenzulagern.
Wir können beobachten, wie die Stämme per Pferd die Abhänge runter zur Straße gezogen werden.
Trauriger Anblick des Wasserfalls.
Limni Boatyard - Budapest, 1280 km Mo. 06.06.2022
Am Montag, dem 6.6. verlassen wir Evia mit der ersten Fähre um 5 Uhr und fahren über Nordmazedonien und Serbien nach Ungarn zu Marias kleinem Häuschen in Budapest.